Die Geschichte des Kurparks

1758 Anlage einer Nussbaumallee vom Schlossplatz bis unterhalb des Belvedere. Kurpark ab 1824 von Gartendirektor Hofrat Johann Michael Zeyher (1770-1843) gestaltet. Eigentlicher Schöpfer des englischen Landschaftsgartens war Ernst Krautinger (1824-1898), Großherzoglicher Parkdirektor 1850-1897. Mammutbäume und Schwanenweiher von 1865.

Den besonderen Reiz Badenweilers machen seine das Kurzentrum umschließenden Parkanlagen aus. Kurpark und Schlosspark umfassen heute zusammen 22 Hektar Fläche. Die Anfänge reichen bis in das Jahr 1758 zurück. Damals ließ Markgraf Karl-Friedrich, ein großer Gönner des Kurorts, die ersten „Promenadeanlagen“ anlegen. Erwähnt wird die sog. „Nussbaumallee“ vom jetzigen Haupteingang des Kurparks bis unterhalb des „Belvedere“ („Schöne Aussicht“). Im Todesjahr von Markgraf Karl-Friedrich wird mit dem Bau als Tee- und Lusthaus der großherzoglichen Familie am Osthang des Schlossbergs nach den Plänen des berühmten klassizistischen badischen Architekten Friedrich Weinbrenner begonnen. Mit dem Aufkommen der „Modebäder“ um die Mitte des 19. Jahrhunderts und mit dem Aufstieg Badenweilers zum Heilbad wurden die Parkanlagen entscheidend erweitert. 1824 ordnete der Großherzog die Schaffung von Parkanlagen an. Die ganze herrschaftliche Schlossmatte, also die Fläche unterhalb des Kurhauses bis zu den römischen Bädern, wurden, wie der umseitig abgebildete zeitgenössische Plan zeigt, in Parkanlagen umgewandelt. Der in den Schlossanlagen von Schwetzingen tätige Hofrat und Gartendirektor Johann Michael Zeyher (1770-1843) plante und überwachte die Arbeiten. Er ließ die ersten aus dem Schlosspark Schwetzingen stammenden ausländischen Bäume und Sträucher pflanzen. Die Arbeiten dauerten mit Unterbrechungen bis 1835.

Der eigentliche Schöpfer des Gartens war jedoch Ernst Krautinger, der 1864 unter Großherzog Friedrich I. von Baden mit der Anlage des Landschaftsparks und des Kurparkweihers östlich des römischen Bades begann. Zahlreiche Bäume aus dieser Zeit, die inzwischen eine Höhe von bis zu 40 Metern erreicht haben, stehen heute noch. Ab 1870 gestaltete Ernst Krautinger auch den Schlosspark um das Großherzogliche Palais. Beide Parks gehörten bis 1952 zum privaten Besitz der großherzoglichen Familie.

Krautinger, der auf seinen Studienreisen vor allem englische Landschaftsparks studiert und lieben gelernt hatte, verstand es meisterhaft, die reizvolle, von der mächtigen Burgruine Baden überragte naturbelassene Landschaft mit ihren zahlreichen Aussichtsplätzen durch das wohl proportionierte Pflanzen von Baumgruppen und Gehölzen im Wechsel von Wiesen-, Garten- und Wasserflächen lebendig zu gestalten und zum Erlebnis werden zu lassen. Die Gestaltung des Wasserlaufes von den Bädern hinunter zum Schwanenteich ist das Werk eines der Nachfolger Krautingers, des Gärtners Simon, dem auch einige neue Wege im Kurpark sowie die Aufstellung zahlreicher Bänke zuzuschreiben sind.

Die Nachfolger haben Krautingers Vorstellungen vom Landschaftspark ideenreich und verantwortungsvoll weitergeführt. Das Kunstwerk „Landschaftspark“ lebt in ständiger Wandlung und bedarf dauernd sorgfältiger aufmerksamer Pflege und stetiger Weiterentwicklung. Seit 1959 wurden durch Initiative von Diplomgärtner Bruno Müller und bis heute auch unter dem jetzigen Leiter der Kurparkgärtnerei, Gärtnermeister Harald Schwanz, mit 30 botanischen Gärten und Arboreta in vielen Ländern von vier Kontinenten Samen getauscht und Sämlinge für die hiesigen Anlagen herangezogen. Kennern sind die Parkanlagen Badenweilers mit ihrem Reichtum an Bäumen und Sträuchern aus aller Welt schon heute als „Badisches Arboretum“ ein Begriff. So findet man hier orientalische Platanen, japanische Lebensbäume, kaukasische Mandeln, Schwarznüsse aus Nordamerika, Zwergmandeln aus südrussischen Steppen, kalifornische Flusszedern, Zuckerahorne aus Kanada, Blauglockenbäume aus China und Urweltmammutbäume, die zunächst nur aus der Tertiärzeit bekannt waren und als längst ausgestorben galten. Sie wurden 1941 von einem chinesischen Forstmann wiederentdeckt.

Unter der Leitung von Gärtnermeister Harald Schwanz wurden Gewürz- und Heilpflanzen aus dem Mittelmeerraum angesiedelt und ein „Hildegard von Bingen-Garten“ unterhalb des Vogesenblicks bei der „Kaffeemühle“ angelegt. Entsprechend des nahezu 800 Jahre in Vergessenheit geratenen Heilkundewissens der Äbtissin Hildegard von Bingen (1098-1179) wird auf Beeten entlang der Stützmauer eine Vielfalt von Heilpflanzen gezeigt. Interessierte Besucher können sich an Hand einer im Tourismusbüro zu erwerbenden kleinen Schrift „Hildegard von Bingen-Garten im Kurpark Badenweiler“ ausführlicher über die Anlage informieren.

Realisiert wurden seit 2000 die seit 1969 mit der Planung des Neubaus des Kurhauses bestehenden Pläne, die Kurparkanlage durch die Einbeziehung der Südwest- und Nordwesthänge unterhalb der „Kaffeemühle“ zu erweitern. Im Rahmen des weltweiten Aktionsprogramms AGENDA 21 setzte sich eine Bürgerinitiative das Ziel, das für die Kurparkerweiterung vorgesehene einstige Rebgelände am Schlossberg von Wildwuchs zu befreien, einen rebenbotanischen Schaugarten mit verschiedenen Spielarten der Rebsorte Gutedel anzulegen und die Anlage durch einen neuen Panoramaweg und Treppenaufgang zu erschließen. Gleichzeitig wurde dabei das ehemalige Rebhäuschen renoviert und der Aussichtspunkt zur Erinnerung an den Maler der „himmlischen Landschaft“ Bizers Malwinkel genannt.

Wer sich für die breite Palette der zahlreichen exotischen und einheimischen Bäume und Zierpflanzen interessiert, kann die einzelnen Arten klar beschriftet bei seinem Rundgang im Park selbst entdecken. Er kann sich aber auch jeweils donnerstags einer sachkundigen Führung durch den Park anvertrauen, Treffpunkt ist jeweils um 15.15 Uhr am Kurparkeingang vor dem Kurhaus.

Vom Kurpark gelangt man über den Schlossplatz zu dem um und hinter dem Großherzoglichen Palais angrenzenden Schlosspark. Mächtige, Schatten spendende Bäume säumen eine große naturbelassene Wiese mit einer Fülle von Wildblumen und versteckt blühenden Orchideen. Im Frühjahr ist die Wiese übersät von Narzissen. Kaum zu glauben, dass sich unter einem Teil dieser Wiese eine sich über drei Ebenen erstreckende Tiefgarage verbirgt. Im oberen Teil des Schlossparks lädt unterhalb der Blauenstraße ein Kinderspielplatz junge Familien mit Kindern zum Verweilen ein.

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