Nonnenmattweiher

Relikt der Schwarzwaldvergletscherung, an der Flanke des Köhlgartenrückens.

Relikt der Schwarzwaldvergletscherung, an der Flanke des Köhlgartenrückens. Aufgestaut in der Mitte des 18. Jahrhunderts als Wasserspeicher für ein Sägewerk. Nonnenmattweiher, zweigeteilt durch miteinander verkettete Holzbohlen in Naturschutz und Menschenfreud. Verlandung, Torfinsel aus Geäst, Zweigen, Wurzeln, Tannnadeln, Laub. Zwergföhren, Krüppelbirken, Wollgras, Sonnentau.

Als wir jung waren, vor der Naturschutzzeit, eroberten wir die schwimmenden Inseln im Spiel. Moorschlammschlacht, Torfgeschosse. Einmal drehte sich das Eiland, auf dem ich alleine herrschte, und ich geriet unter es, stieß nach oben, mitten hinein in das Wurzelgeflecht, verhedderte mich atemlos, fesselte mich selbst im Gezweig, Gestrüpp. Mein Schutzengel bewahrte die Ruhe und verhalf mir Panischem zum Weg zurück, nach unten, ins kalte, trübe Dunkel und zur Seite weg. Ich kam wieder ans Licht. Keiner hatte mich vermisst.

Nonnenmattweiher. Nach einer von der Dichterin Paula Hollenweger erzählten Sage sollen sich die Nonnen des dort gelegenen Klosters gerne von Mönchen des bei Marzell gelegenen Klosters haben besuchen lassen. Diese hätten dabei sogar ihre Pferde verkehrtherum beschlagen, um etwaige Späher zu täuschen. Doch Gott habe dem wollüstigen Treiben ein Ende gesetzt. Das Kloster sei im Weiher versunken und man könne in mondhellen Nächten noch die alte Glocke aus dem Wasser heraufwimmern hören. Weit prosaischer wäre die Erklärung des Namens, dass man dort zu „Nonnen“ kastrierte Schweine oder auch Jungvieh zur Mast in die umgebenden lichten Wälder zur Weide getrieben habe.

Winters verführt der zugefrorene See zum Abstecher von der gespurten Nonnenmattweiher-Loipe und zum fast schwerelosen Gleiten über den Abgrund. Einmal, am 1. März 1922 war der Druck der unterirdischen Quellen unter der Eisdecke zu stark geworden. Das Eis barst nicht, aber der Damm. Verwüstungen bis zur Mündung der Kleinen Wiese, bis zur „Müschele“ mit der Großen, waren die Folge. Neuenweg und Bürchau besonders erlitten große materielle Verluste, Menschen direkt kamen aber nicht zu Schaden.

Sobald das Wasser zweistellige Temperaturen aufweist, vertraue ich mich ihm an, trotz manchmal merkwürdiger Berührungen. Hecht? Wels? Rotfedern, Rotaugen sieht man am Ufer entlang ziehen, manchmal einen Barsch. Für Forellen ist das Wasser zu unbewegt, wohl auch zu sauer. An der Haut vorbei gleitet es wie Samt. Auf dem Rücken zu liegen und das ovale Bergrund mit den Tannenspitzen als Umrandung, als Öffnung zum Himmel zu erleben, ist Magie.

Der Blick vom Weiherfelsen über den See, am Belchen vorbei ins Rheintal, Begegnungen mit Gemsen, das kleine Seerosenfeld am Abendufer, die Rast an der Fischerhütte, unterhalb der gewaltigen Weidbuchen des Dürsberges: beglückende Momente der Inspiration: zum Schreiben, zum Leben.

 

Markus Manfred Jung
Gymnasiallehrer, Schriftsteller, Dichter. Lebt mit seiner Frau, der Malerin Bettina Bohn, in Hohenegg, Kleines Wiesental, eineinhalb Wegstunden vom Nonnenmattweiher entfernt.

 

Lage:
Wegbeschreibung: Ab Mittelheubronn, auf der Straße vom Kleinen Wiesental ins Münstertal oder nach Badenweiler, ist die kleine Fahrstraße zum Waldparkplatz ausgeschildert. Von dort ist es knapp ein Kilometer Fußweg zur Fischerhütte,
dahinter liegt der Weiher.