Der Hochblauen

Der Mondberg

Am schönsten fand ich es auf dem Berg immer dann, wenn ich in mondhellen Nächten im tief verschneiten Winterwald Schwarzwild gejagt habe – mit etwas Fantasie kann man sich am Blauen da schon wie im
hintersten Kanada fühlen. Ich war immer fasziniert von der Ruhe in solchen Nächten. Da entging einem kein Knacken im Unterholz. Für die Jagd auf Wildschweine ist das wichtig, alte Keiler bewegen sich sehr vorsichtig
und haben einen guten Geruchssinn. Es ist schön, so ein schlaues Tier zu erwischen. Es gibt aber andere Momente: Einmal habe ich am Blauen junge Gämsen beim Spielen beobachtet, die haben mit wilden Sprüngen
Fangen gespielt und die Felsen als Rutschbahn benutzt – so etwas hätte ich nie mit einem krachenden Schuss verdorben.

Mein schlimmstes Erlebnis?
Der Absturz eines französischen Düsenjägers am 18. Juni 1971. Es war früh am Morgen, die Wolken hingen tief, wir wollten auf den Blauen wandern. Ich musste warten, mein Besuch hatte die Autobahnausfahrt verpasst. Auf
einmal hörte ich ohrenbetäubenden Lärm, zwei Düsenjäger rasten im Tiefflug über das Dorf – Sekunden später hörte ich eine Explosion. Das Flugzeug hatte eine Tanne gestreift, wurde zu Boden gerissen und war explodiert.
Diesen Tag vergesse ich nie: Die Absturzstelle lag nur wenige Meter unterhalb des Weges, auf dem wir vielleicht gewandert wären, wenn wir wie geplant gestartet wären.

Mein unheimlichstes Erlebnis?
Das war in der Nähe des Musbachfelsens, vor ungefähr 40 Jahren. Im Tal lag dichter Nebel, oben schien die Sonne, die Stimmung war gespenstisch. Ich war im Wald unterwegs, und auf einmal stand eine vermummte
Gestalt vor mir: langer Mantel, Hut, Handschuhe, das Gesicht verdeckt, auf dem Weg stand ein Koffer. Wir standen uns eine Weile gegenüber – dann hat die Person den Kopf leicht gedreht, um mich durch die vor das
Gesicht gehaltenen, gespreizten Hände zu beobachten. Ich bin weitergegangen, eine Nachfrage bei der Polizei konnte die Begegnung nicht aufklären.

Mein bewegendstes Erlebnis?
Das war nach dem Sturm Lothar. Meine Mitarbeiter haben Sturmholz aufgearbeitet, und ich habe auf einmal schnelle Schritte hinter mir gehört: Eine junge Frau hatte Motorsägen gehört und wollte Bäume retten. Wir
haben uns lange unterhalten, es war ein ausführliches und sachliches Gespräch – am Ende hatte ich das Gefühl, dass ich sie hatte über-zeugen können. Ich war trotzdem überrascht, als dann auf einmal in meinem
Briefkasten ein Buch über eine Frau lag, die 700 Tage auf einem Baum in Kalifornien gelebt hatte, um ihn vor dem Abholzen zu retten. Das Buch hatte eine Widmung – für den "Vater des Waldes."

 

Philipp Löffler
über 40 Jahre lang Förster am Hochblauen, über 20 Jahre Ortsvorsitzender von Lipburg

 

Lage:
A5, Ausfahrt Neuenburg, Badenweiler, Richtung Malsburg-Marzel. Oder von Kandern kommend durch das Kandertal Richtung Malsburg-Marzell weiter zum Hochblauen.